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wissenschaftliche Arbeiten

23.11.2022

Pionierarbeit für Multimodale Knoten

LISA - MobilityLab Niederösterreich: ein neues Gesamtangebot aus öffentlichem Verkehr, Fahrrad und innovativen Mobilitätskonzepten wie Sharing und Elektromobilität im Weinviertel entsteht.

Hannah Berger, Absolventin der Universität für Bodenkultur, leistete mit Masterarbeit zu multimodalen Mobilitätsknoten in der Personenmobilität wissenschaftliche Pionierarbeit. Auf der Themenbörse stieß die damalige BOKU-Studentin auf dieses Niederösterreich-Thema. Mittlerweise hat sie in diesem Bereich auch beruflich Fuß gefasst.

Hannah Bergers Masterarbeit stellt nicht nur in Niederösterreich den Forschungsbeginn multimodaler Mobilitätsknoten dar. Sie hat untersucht, welche Anforderungen ein Mobilitätknoten erfüllen muss, damit dieser als nutzerfreundlich gilt. Um treffsichere Kriterien zu haben, hat Berger zwischen „urbanen“ und „regionalen“ Knoten-Standorten unterschieden. Mit dieser Masterarbeit wurde ein wichtiger wissenschaftlicher Beitrag geleistet, nachhaltige Mobilitätsformen – speziell in Niederösterreich - zu fördern und für die Nutzenden attraktiver zu machen.

Während der von ihr entwickelte „Index für Nutzerfreundlichkeit“, ein einfach anzuwendes Punktesystem zur Beurteilung der Qualität vorhandener Mobilitätsknoten, von den Expert*innen der Abteilung für Raumordnung und Gesamtverkehrsangelegenheiten der NÖ Landesregierung mit gemischten Gefühlen gesehen, wurde die umfassende wissenschaftliche Pionierarbeit auf diesem Gebiet gelobt. Die Kritik hinsichtlich „Index für Nutzerfreundlichkeit“ bezieht sich darauf, dass das „Setting“, sprich die lokalen Rahmenbedingungen pro Mobilitätsknoten genauer analysiert werden sollten und müssen, um aussagekräftige Bewertungen zu erhalten. Umso wichtiger sei es, viel Zeit und Know how in die Planung von Mobilitätsknoten zu investieren.

Wichtige Kriterien für multimodale Mobilitätsknoten

Die Untersuchungen zeigen, dass die für einen nutzergerechten Mobilitätsknoten relevanten Kriterien in vier Bereiche eingeteilt werden können: Kriterien für die Erreichbarkeit, für ein multimodales Angebot, für die infrastrukturelle Ausstattung sowie abschließend Kriterien für die Einbindung in Buchungs- und Informationssysteme.

Für die Erreichbarkeit des Knotens ist die Anbindung mit Fuß- und Radverkehr zum Knoten, das ÖV-Angebot in der Region sowie die Standortwahl relevant. Die Anforderungen für das multimodale Verkehrsangebot sind ein stationsbasiertes Car- oder Bikesharing und ein aufeinander abgestimmtes ÖV-Angebot.

Für die infrastrukturelle Ausstattung wurden diebstahlsichere Fahrradabstellanlagen, Park & Ride Anlagen, öffentliche Ladestationen, Informationspunkte und Wegweiser sowie Einkaufsmöglichkeiten als Anforderungskriterien abgeleitet.

Um herauszufinden, welche Kriterien wichtiger sind, wurde mithilfe des Analytischen Hierarchieprozesses die Gewichtungen für alle genannten Kriterien in jedem Bereich berechnet. Die berechneten Gewichte verdeutlichen den Unterschied zwischen den Knoten mit regionalem und jenen mit urbanem Standort. Durch die gewonnenen Gewichte jedes einzelnen Kriteriums lassen sich neue Erkenntnisse zur Priorisierung dieser am Knoten herausstellen. Es können zum Beispiel Aussagen darüber getätigt werden, ob eine Park & Ride Anlage an Knoten mit regionalem Standort oder jenen im urbanen Bereich wichtiger ist.

Multimodale Mobilitätsknoten funktionieren im städtischen wie im ländlichen Bereich

Die befragten 12 Expert*innen schätzen das Potenzial multimodaler Mobilitätsknoten hinsichtlich einer Verlagerung vom Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel sowohl im urbanen als auch im ländlichen Bereich als sehr hoch ein. Im urbanen Bereich werden die Knoten bereits mehr als „nur“ eine Zugangsmöglichkeit gesehen. Ein Mobilitätsknoten solle auch ein Ort sein, an dem man sich gerne aufhält.

In den Regionen wird gerade die Wichtigkeit des Zugangs zum öffentlichen Verkehr betont, da im ländlichen Raum ein Mobilitätsknoten als erstes „Eintrittstor“ in den öffentlichen Verkehr dient, um weitere öffentliche (meist höherrangige) Verkehrsanbindungen zu erreichen.

Hannah Berger weist darauf hin, dass sowohl die Anzahl der durchgeführten Interviews (12) sowie die Auswahl von lediglich zwei Fallbeispielen als einschränkender Faktor hinsichtlich einer verallgemeinernden Aussagefähigkeit ins Treffen geführt werden kann. Dass für den Großteil der Kriterien keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den urbanen und regionalen Knoten abgeleitet werden konnte, kann daher auf den geringen Stichprobenumfang zurückgeführt werden.

Weiters ist zu beachten, dass sich die Arbeit ausschließlich auf die Meinung von Expert*innen stützt und die Sicht der Nutzenden von Mobilitätsknoten nicht behandelt wurde.

Berger empfiehlt daher weiterführende Forschung mit einem größeren Stichprobenumfang und quantitative Untersuchungen wie beispielsweise die Befragung der Nutzer*innen der für die Masterarbeit ausgewählten Knoten. Die daraus gewonnenen Ergebnisse könnten dann mit jenen dieser Arbeit verglichen werden und so das theoretische Grundgerüst mit den Anforderungskriterien mit der Nutzer*innenperspektive ergänzt und fundiert werden.

Resümee und Ausblick

Die Ergebnisse der Literaturrecherche zur Rolle von Multimodalität im Personenverkehr in der EU und in Niederösterreich verdeutlichen, dass dieser Bereich schon jetzt und auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielt bzw. spielen wird, wenn (noch) mehr Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen sollen.

Zu berücksichtigen wäre laut Berger zukünftig auch die „demokratische Integration“, bei der es um die Partizipation der Nutzer*innen geht sowie die Beleuchtung der Rolle der Digitalisierung bei multimodalen Mobilitätsknoten sein. Diese könnte an den Ergebnissen für das Kriterium „Einbindung in Buchungs- und Informationssysteme“ anknüpfen und vertiefen.

Hannah Berger: „Die einzige Alternative zum Pkw ist das optimale Zusammenspiel aller verfügbaren umweltverträglichen Verkehrsmodi, und dafür müssen Mobilitätsknoten als Schnittpunkte in den Mittelpunkt gerückt und nutzerfreundlich gestaltet werden, wozu die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten soll.“

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